Wolfsburg als Ort des Stationenweges der Reformation 2016/17

Karte des europäischen Stationenweg © ALEKS&SHANTU/r2017

Der Europäische Stationenweg startete am 3. November 2016 in Form eines Reformationstrucks  in Genf und führt durch Orte in ganz Europa, die besondere Beiträge innerhalb der Reformationsbewegung geleistet haben. Die Bedeutung und Auswirkung der Reformation mit ihrer 500-jährigen Geschichte lässt sich bis heute und anhand des Europäischen Stationenweges nachvollziehen. 
Seinen deutschlandweit ersten Halt hatte der Europäische Stationenweg um den 24. November 2016 in Osnabrück. Weitere Orte in Norddeutschland sind neben Wolfsburg unter anderem Emden, Helmstedt, Goslar, Bremen und Wilhelmshaven. In jeder Stadt werden Geschichten für die Weltausstellung Reformation in der Lutherstadt Wittenberg gesammelt. Dort soll der Truck am 20. Mai 2017 ankommen.

In Wolfsburg macht der Europäische Stationenweg vom 5. bis zum 7. Dezember halt und kann mit seinem integrierten Ausstellungsraum und dem Wolfsburger Filmbeitrag zum Reformationsjubliäum am 6. Dezember 2016 auf dem Hollerplatz besichtigt werden. 

 

Verlauf

  • Truck des europaeischen Stationenwegs © Cornelia Kirsch/r201768 Orte in 19 Ländern werden von dem Reformationstruck auf einer Tour für jeweils 3 Tage besucht
  • Start des Reformationstrucks am 3. November 2016 in Genf
  • Endstation ist die Weltausstellung Reformation in Wittenberg am 20. Mai 2017
  • Jede Station verkörpert ein Thema mit lokalem Bezug zur Reformation: Wolfsburg konzentriert sich auf das Motto: "Mitschöpfer Mensch. Arbeit neu entdecken"

Intention 

  • In den Orten des Stationenweges finden zudem zahlreiche Veranstaltungen mit lokalem Engagement statt, um die Beziehung zur Geschichte der Reformation bis heute aufzuzeigen.
  • Die Tour des Reformationstrucks bezeichnet das Wirkungsfeld von Akteuren der Reformation, die Spuren hinterlassen haben und noch heute bedeutsame Impulse für die Gegenwart geben.
  • Die weit verzweigte Wirkungsgeschichte der Reformation wird hervorgehoben und europaweite Aufmerksamkeit generiert.

Wolfsburg – jung und von alters her tolerant

Wolfsburg gilt als eine der bedeutendsten Stadtneugründungen des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Die fünftgrößte Stadt Niedersachsens verdankt ihre Gründung dem Entstehen des Volkswagenwerkes. Eingebettet in zwei große Landschaften, im Süden der Harz und im Nordwesten die Lüneburger Heide, entstand in nur drei Generationen ein dynamischer Wirtschaftsstandort. In der modernen und weltoffenen Großstadt leben heute mehr als 125.000 Einwohner.

Hans von Bartensleben (ca. 1512- 1583), der Verfasser des Toleranzvertrages von 1555, trug den Beinamen „Hans der Reiche“ und war eine der herausragenden Persönlichkeiten aus dem Adelsgeschlecht von Bartensleben, die seit 1302 ihren Stammsitz auf Schloss Wolfsburg hatten. Seine Familie war u.a. durch Getreideanbau, Fischzucht und Holzhandel zu einem beträchtlichen Vermögen gekommen. Hans von Bartensleben, der selbst sehr bescheiden lebte, brachte einen Großteil seines Vermögens in eine denkwürdige Armenstiftung ein, die nahezu 300 Jahre bestand.

Mitten zwischen den beiden Herzogtümern Braunschweig- Wolfenbüttel und Braunschweig-Lüneburg „saßen“ die Bartensleben auf der Wolfsburg und waren beiden Herzögen lehnspflichtig. Herzog Heinrich der Jüngere (ca. 1489 -1568) als Regent des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel war als einer der wenigen Fürsten im Norden katholisch. Der in Celle residierende Ernst der „Bekenner“ (1497 -1546) von Braunschweig-Lüneburg hatte sich schon seit 1525 zum evangelischen Glauben bekannt.

Hans der “Reiche“ war von den religiösen Veränderungen während der Reformation nicht unberührt geblieben. Die Familie von Bartensleben war in Fragen des Glaubensbekenntnisses lange Zeit untereinander uneins und gespalten. Einige von ihnen waren bereits zum lutherischen Glauben übergetreten, während Hans und sein Vetter Busso noch längere Zeit katholisch blieben. Erst kurz vor seinem Tod trat Hans von Bartensleben zum evangelischen Glauben über.

Der „Toleranzvertrag“ regelte für alle Familienzweige und die Untertanen auf gütliche Weise das Nebeneinander beider Konfessionen. Neben der Festlegung der Gottesdienste für die beiden Glaubensrichtungen wurde beschlossen, das gesamte Gemeindevermögen zu teilen, die eine Hälfte dem evangelischen Prediger und die andere Hälfte dem katholischen Pfarrer zu überlassen. Über die Teilung und Benutzung der Messgewänder, der Kelche und der übrigen Kirchenkleinodien sollte ein besonderer Vertrag das Nötige regeln. 

Kein Familienmitglied und auch nicht die Ehepartner untereinander sollten sich bei Androhung von Strafen vorschreiben lassen, ob sie sich zum katholischen oder evangelischen Glauben bekennen wollten, „damit Friede und Einigkeit erhalten und keine Zwietracht gestiftet werde“. Auch für die Bediensteten und Bauern hatte die ungehinderte Glaubensfreiheit zu gelten. 

Der am 3. Juli 1555 geschlossene Vertrag nimmt gewissermaßen den einige Wochen später, am 25. September 1555 für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation geschlossenen „Augsburger Religionsfrieden“ vorweg. Er gilt als sehr fortschrittlich und ist ein sehr frühes Beispiel dafür, wie die Verwirklichung des Religionsfriedens „vor Ort“ praktisch aussehen kann.


Pressemitteilung vom 01.12.2016

Europäischer Stationenweg

Reformationstruck gastiert vom 05. bis 07. Dezember in Wolfsburg

Die Stadt Wolfsburg beteiligt sich gemeinsam mit dem Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen an dem Projekt des „Europäischen Stationenweges“ der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der Europäische Stationenweg führt vom 3. November 2016 bis zum 20. Mai 2017 in 19 Ländern zu bedeutenden Orten der Reformation. Dabei rücken europaweit 68 Stationen für jeweils drei Tage in den Fokus der Aufmerksamkeit. Neben Wolfsburg werden unter anderem auch Rom, Dublin, London, Zürich, Bergen sowie Riga angefahren. Von besonderem Interesse ist hier, welche Akteure hinsichtlich der Reformation einschneidende Spuren hinterlassen haben und wie sich diese auf die Gegenwart auswirken. Der Stationenweg endet mit der umfassenden Weltausstellung Reformation zum 500-jährigen Reformationsjubiläum in der Lutherstadt Wittenberg.

Die Rolle Wolfsburgs innerhalb der Reformationsgeschichte ist dabei vor allem durch Komplexität geprägt. Die damaligen Gebietskörperschaften waren diversen Bistümern und Herrschaftsgebieten zugeordnet, sodass die Reformationsprozesse durch Spannungen und Konflikte geprägt waren. Trotz dieser Umstände leistete unter anderem Hans von Bartensleben einen bedeutsamen Beitrag zum religiösen Frieden und insbesondere zur Glaubenstoleranz. Mit Hilfe des Stationenweges soll sowohl den historischen Wurzeln unserer Region als auch der allgemeinen Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart die entsprechende Bedeutung zuteilwerden. Oberbürgermeister Klaus Mohrs äußert sich entsprechend positiv: „Ich bin dankbar und froh, dass wir Teil dieser einmaligen europaweiten Aktion sind. Die Rolle Wolfsburgs zu Zeiten der Reformation ist bedauerlicherweise wenig bekannt. So haben wir die Möglichkeit, eine weitere Facette unserer Stadt zu präsentieren.“   

Rund um den Europäischen Stationenweg wird es in Wolfsburg vom 5. bis 7. Dezember zahlreiche Veranstaltungen geben, die die Beziehung zur Geschichte der Reformation hervorheben. Neben Workshops, einem Bildungskirchentag und Podiumsdiskussionen rund um die Themen Beruf und Arbeit, wird der Reformationstruck auf dem Hollerplatz für interessierte Besucher eine Erlebnisausstellung bereithalten. Der Reformationstruck startete seine Tour bereits am 3. November in Genf und bietet auch auf seiner 14. Station in Wolfsburg, unterschiedliche interaktive Angebote an. Unter anderem wird es die Möglichkeit geben, eine eigene Reformationsgeschichte in unterschiedlichen medialen Formaten zu erzählen. Diese Geschichten wird der Truck bis Mitte Mai 2017 mit auf Reisen nehmen.

Während der Reformationstruck vom 5. Dezember bis zum 7. Dezember in Wolfsburg hält, finden zahlreiche Veranstaltungen zu dem Thema Reformation unter dem Wolfsburger Motto "Mitschöpfer Mensch. Arbeit neu entdecken" statt.

Hier finden Sie eine Übersicht des Programms:

Montag, 5. Dezember

  • 17.00 Uhr: Ankunft des Reformationstrucks auf dem Hollerplatz und Begrüßung
  • anschließend: Prozession durch das Lichtkunsttor zur beleuchteten Christuskirche
  • 19.00 Uhr: Ökumenischer Eröffnungsgottesdienst in der Christuskirche

Dienstag, 6. Dezember

  • 8.30  - 15.00 Uhr: Workshops für Auszubildende aus dem Volkswagen-Werk. 
  • 10.00 - 17.15 Uhr: Bildungskirchentag im Alvar-Aalto-Kulturhaus. Das ausführliche Programm finden Sie hier. Anmeldungen sind unter www.fabi-wolfsburg.de möglich.
  • 13.00 - 14.00 Uhr: Empfang der Stadt Wolfsburg in der Bürgerhalle für geladene Gäste.
  • 18.00 - 20.00 Uhr: Podiumsdiskussion in der Autostadt zum Thema "Mitschöpfer Mensch. Arbeit neu entdecken" für geladene Gäste.
  • 19.00 Uhr: Kabarett und Podiumsgespräch in der Christuskirche: "Arbeit und Menschenwürde. Mitschöpfer Mensch."

Mittwoch, 7. Dezember

  • Am Vormittag wird der Reformationstruck mit einem Reisesegen in Richtung Schmalkalden verabschiedet.


Weitere Informationen finden Sie außerdem unter www.2017wolfsburg-wittingen.de


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